| "OptiBull" - der neue Anpaarungsplaner | ||
Seit Jänner bzw. in manchen Verbänden ab Februar steht der neue Online-Anpaarungsplaner, der im Auftrag der Zuchtverbände von ZAR und ZuchtData in Zusammenarbeit mit dem LKV Bayern entwickelt wurde, den Züchtern und Zuchtberatern zur Verfügung. Das Anpaarungsprogramm unterstützt bei der Stierauswahl – nutzen Sie es, denn jede Paarung soll eine gezielte Paarung sein!Das Anpaarungsplanungsprogramm steht als eigener Programmteil im Internet im Bereich RDV4M (Mein Betrieb im RDV) zur Verfügung. Die genaue Zugangsregelung ist von Verband zu Verband etwas unterschiedlich. Der Anpaarungsplaner hat eine direkte Verbindung zum RDV und ist daher hinsichtlich der Zuchtwerte und sonstigen Daten immer am aktuellsten Stand. Als Internetanwendung sind keine Installation, kein Datentransfer, keine Datensicherung und auch keine Versionsupdates notwendig. Ein ausführliches Benutzerhandbuch ist gerade in Druck und wird in Kürze erhältlich sein. Das Prinzip des AnpaarungsplanersDas Prinzip des Anpaarungsplaners basiert darauf, dass aus einem vorgegebenen bzw. selbst gewählten Stierangebot, Besamungsvorschläge für die weiblichen Tiere am Betrieb gefunden werden. Das passiert unter Berücksichtigung einer Stärken- und Schwächenanalyse für alle Merkmalsbereiche Milch, Fleisch, Fitness und Exterieur. Das Programm liefert also Vorschläge, die Entscheidung liegt natürlich beim Züchter selbst. Die Qualität des Ergebnisses hängt selbstverständlich auch von den Eingaben des Züchters bzw. Zuchtberaters ab. Wie sucht das Programm die Stiere aus?Die Auswahl der Stiere orientiert sich grundsätzlich am Zuchtziel der Rasse. Zusätzlich zum Zuchtziel, das in Form des Gesamtzuchtwertes ausgedrückt wird, werden noch individuelle Stärken und Schwächen hinsichtlich der Leistungs-, Fitness- und Exterieurkritierien der Kuh berücksichtigt. Ein Stier bekommt also ausgehend vom GZW (dessen Gewicht in der Berechnung vom Züchter übrigens variiert werden kann) Zu- und Abschläge für die Kriterien, die bei der jeweiligen Kuh als Schwäche gekennzeichnet wurden bzw. für die eine Verbesserung gewünscht wurde. Das heißt, dass standardmäßig keine Mindestgrenzen für einzelne Merkmale gesetzt werden, sondern ein Index, der optimale Anpaarungswert (OAW), berechnet wird. Dieser OAW wird für jede Stier-Kuh-Kombination berechnet und letztlich als Reihungskriterium verwendet. Zusätzlich zum OAW können bei einzelnen Merkmalen auch Mindestgrenzen für den Zuchtwert des vorgeschlagenen Stieres festgesetzt werden (sogenanntes KO-Kriterium). Gleichzeitig werden Verwandtschaftsbeziehungen geprüft, um ungewollter Inzucht vorzubeugen. Die wichtigsten Bereiche1. BetriebseinstellungenZuerst ist es sinnvoll, grundlegende Einstellungen am Betrieb festzulegen. Das betrifft z.B. die Festlegung hinsichtlich des Inzuchtgrades des gewählten Stieres. Ein Wert von 3,0 bedeutet z.B., dass über drei Generationen (ausgehend vom zukünftigen Kalb dieser Anpaarung) keine gleichen Stiere bzw. Kühe auf Vater- und Mutterseite vorkommen dürfen. Außerdem kann hinsichtlich des paternalen Kalbeverlaufs-Zuchtwertes bei Kalbinnenbesamungen eine Mindestgrenze festgesetzt werden. Die Festlegung, aus welchem Stierangebot (Stierpool) die Stiere gewählt werden sollen, muss hier ebenfalls erfolgen. Es besteht auch die Möglichkeit, das Programm automatisch aufgrund der Zuchtwerte der Kuh bzw. aufgrund der linearen Nachzuchtbeschreibung die Schwächen und Mängel der Kuh automatisch ermitteln und bei der Berechnung berücksichtigen zu lassen.
2. StierpoolZusätzlich zum vom Zuchtverband bzw. von der Besamungsstation vorgegebenen Stierangebot kann eine bestimmte Anzahl zusätzlicher Stiere in den Betriebspool aufgenommen werden. Das könnten z.B. alle Stiere im eigenen Samencontainer oder auch Natursprungstiere (mit genomischem Zuchtwert) sein. 3. TierlisteIn diesem Bereich wird festgelegt, für welche Kühe und Kalbinnen Anpaarungsvorschläge gerechnet werden sollen. In der Übersicht sind bereits wichtige Informationen hinsichtlich Kalbedatum oder Abstammung zu finden. Außerdem ist bei jeder Kuh eine vollständige Stammscheinansicht für Detailinformationen verlinkt. 4. KuhschwerpunkteBei den sogenannten Kuhschwerpunkten handelt es sich um die Bearbeitungsmöglichkeit der Schwächen und Mängel der einzelnen Kuh. Vom Programm werden aufgrund der Zuchtwerte der Kuh bzw. einer eventuell vorhandenen Exterieurbeschreibung Schwächen automatisch farblich markiert (hellrot bzw. dunkelrot) und je nach Auswahl bei den Betriebseinstellungen automatisch ausgewählt. Man kann hier die einzelnen Kriterien frei wählen und auch vom Programm vorgeschlagene Schwächen wegklicken, wenn man damit nicht einverstanden ist. Durch Anklicken in der KO-Spalte werden zusätzlich Mindestzuchtwerte verlangt (bei leicht: Relativ-ZW mind. 106, bei schwer: mind. 112). Die KO-Kriterien sind allerdings nur sehr vorsichtig einzusetzen, weil dadurch sehr gute Stiere nur wegen eines einzelnen Merkmals ausgeschlossen werden können. 5. AnpaarungsvorschlägeNach Auswahl der tierindividuellen Schwächen werden die optimalen Stiere berechnet und standardmäßig die ersten 5 gereiht nach OAW aufgelistet. Die vorgeschlagenen Stiere sind mit der ZAR/ZuchtData-Zuchtwertdatenbank verlinkt, um weitere Detailinformationen zu bekommen. Außerdem sind die vorgeschätzten Zuchtwerte (Ahnenindices) des möglichen zukünftigen Kalbes angegeben. Aus der Vorauswahl der 5 besten Stiere können letztlich 1 bis 3 Stiere markiert und in einem Archiv abgespeichert werden. Dieses Archiv kann schließlich ausgedruckt werden, sodass alle Stiere übersichtlich angezeigt werden und für den Sameneinkauf bzw. für die Besamung schnell zur Hand sind. Autor: Dr. Christian Fürst, ZuchtData |
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