Was tun bei Grundfuttermangel?

In vielen Regionen Niederösterreichs herrscht zum Teil extremer Futtermangel. Durch rechtzeitiges Festlegen von alternativen Fütterungsstrategien können negative Effekte - zumindest teilweise - abgeschwächt werden.

Strohfüttern z.B. bei trächtigen Kalbinnen spart hochwertiges Grundfutter und kann mit konsequenter Strategie „kinderleicht“ sein
Tabelle 1: Beispiele für Ersatzfuttermischungen * Fertigfutter mit 7 MJ NEL und 180 g Rohprotein ** Fertigfutter mit 6,8 MJ NEL und 120 g Rohprotein Anstelle von Rapsextraktionsschrot kann auch entsprechend Sonnenblumen- oder Sojaextraktionsschrot verwendet werden. Quelle: DI Karl Wurm, LK-Steiermark
Barrenteiler aus Hartplastik im Einsatz
In aufgeklappter Stellung ist problemloses Reinigen des Barrens möglich

In vielen Regionen Niederösterreichs herrscht zum Teil extremer Futtermangel. Durch rechtzeitiges Festlegen von alternativen Fütterungsstrategien können negative Effekte - zumindest teilweise - abgeschwächt werden.

Ziel muss es sein, die Leistungsfähigkeit der Tiere auszuschöpfen, sie bedarfsgerecht zu versorgen und trotzdem keine überhöhten Futterkosten in Kauf nehmen zu müssen!

Folgende Punkte kommen bei Futtermangel in Betracht

Rechtzeitige Futterplanung spart Geld

Bei der Verfütterung von Notrationen ist es unbedingt notwendig, im Vorhinein genaue Rationsberechnungen durchzuführen, denn nur so ist es möglich, die Nährstoffversorgung des Tieres zu decken und darauf aufbauend die leistungsgerechte Kraft- und Mineralfutterergänzung vorzunehmen. Mit der Rationsberechnung muss dann auch die notwendige Futterplanung für den kommenden Winter gemacht werden. Die so erfolgte Bestandsaufnahme kann verhindern, dass die Landwirtin / der Landwirt im Frühjahr gezwungen ist, Heu oder ähnliche Futtermittel zu überhöhten Preisen zuzukaufen.

1. Strohbeifütterung

Trockenheit im Sommer führt immer zu ausgezeichneten Erntebedingungen. Es ist aber zu bedenken, dass Stroh arm an Protein, Energie, Mineralstoffen und Vitaminen (speziell ß-Carotin) ist. Den Tieren stehen also weniger Nährstoffe zur Verfügung. Da Stroh aber sehr viel Struktur enthält, kann auch mit größeren Mengen an Kraftfutterergänzung noch eine wiederkäuergerechte Ration gestaltet werden. Der Einsatz von Melasse (Lockfütterung) fördert die Aufnahme von Stroh. Futterstroh sollte nach Möglichkeit schon bei der Ernte gut zerkleinert werden und am Lager immer erreichbar sein.

Laktierende Kühe, aber auch Kleinwiederkäuer haben im ersten Laktationsdrittel sowie in den letzten 3 Wochen vor der Abkalbung bzw. Ablammung hohe Ansprüche an die Nährstoffdichte der Ration. Auch Jungrinder bis etwa 250 kg Lebendgewicht sowie Kalbinnen in den letzten Wochen vor der Abkalbung benötigen hochwertiges Grundfutter mit angepasster Kraftfutterergänzung. An diese Tiere sollte daher auch bei Futtermangel bestes Grundfutter ständig zur freien Aufnahme angeboten werden!

In der Kalbinnenaufzucht von 250 bis etwa 550 kg Lebendgewicht sowie zu Beginn der Trockenstehperiode können hingegen energiearme Komponenten sehr gut in die Ration (20 bis 50 %) eingebaut werden. Durch gezielte Kraftfutter- und Mineralfutterergänzung ist eine ausgewogene Nährstoffversorgung möglich. Es ist speziell auf eine Eiweißergänzung Wert zu legen.

Rationsbeispiel für altmelkende und trockenstehende Kühe

18 kg Grassilage
  6 kg Gerstenstroh
90   g Mineralfutter

Diese Ration reicht für ca. 7 kg Milch, höhere Leistungen werden mit Kraftfutter erfüttert. Bei Kühen im mittleren Laktationsabschnitt sollte die maximale Strohmenge 2 kg betragen.

2. Erhöhung des Kraftfuttereinsatzes

Durch die Steigerung des Kraftfutterangebots kann der Grundfutterbedarf reduziert werden. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass Wiederkäuer Spezialisten für die Verwertung von faserreichen Futtermitteln (Grundfutter) sind. Die Ration muss daher ein Mindestmaß an strukturiertem Grundfutter aufweisen. In der Rinderration sollte daher generell ein Grundfutteranteil von 55 % der Gesamt-Trockenmasseaufnahme nicht wesentlich unterschritten werden. Nur bei bester Fütterungstechnik (TMR, AGR) kann eventuell dieser Grenzwert um 5 % bis maximal 10 % verringert werden. Das Kraftfutter muss gezielt (rationiert) und Grundfutter zur freien Aufnahme angeboten werden, wobei eine Futterselektion bei Mischrationen unbedingt vermieden werden muss. Als Kraftfutter kann hier auch energiearmes Kraftfutter (Kleie, Biertreber, Trockenschnitzel) eingesetzt werden.

Je höher der Kraftfutteranteil in der Ration ist, desto wichtiger wird die mehrmals tägliche Vorlage. Pro Teilgabe darf nicht mehr als 1,5 kg Getreide (bei ausgewachsenen Rindern max. 2 kg Kraftfutter) gefüttert werden. Zusätzlich sollten Kraftfutterkomponenten vermehrt in die Ration eingebaut werden, die den Pansen durch langsame Nährstofffreisetzung nicht belasten. Dazu zählen beispielsweise Körnermais, Trockenschnitzel, Weizenkleie, Biertreber und Pressschnitzelsilagen.

3. Zukauffutter

Biertreber: (Einsatzmengen: bis 10 kg)
Durch den Einsatz von 6 kg Biertreber je Kuh und Tag werden 10 % an Grundfutter eingespart. Biertreber sind ein proteinreiches Futtermittel mit mittlerer Energiekonzentration. Biertreber werden von den Tieren sehr gerne gefressen und sind wegen ihres hohen Rohproteingehaltes, vor allem in rohproteinarmen Rationen zB in Kombination mit Maissilage oder auch Stroh sehr gut einsetzbar.

Pressschnitzel: (Einsatzmengen: bis 15 kg)
Dieses Futtermittel wird siliert. Pressschnitzel müssen jedoch rasch einsiliert und sorgfältig abgedeckt werden. Die Schütthöhe soll 1 m nicht übersteigen, sodass die Wärme gut entweichen kann. 4-5 Wochen nach der Silierung kann mit der Verfütterung begonnen werden.

Trockenschnitzel: (Einsatzmengen bis 5 kg)
Durch den langsamen und dadurch schonenden Abbau im Pansen eignen sie sich besonders bei höherem Kraftfuttereinsatz.

Kleien: (Einsatzmengen bis 3 kg)
Auf Grund der Bekömmlichkeit bzw. des höheren Rohfasergehaltes und Mineralstoff/Spurenelementgehaltes sind Kleien für grundfutterarme Rationen empfehlenswert. Bezogen auf Energiegehalt sind sie gegenüber Getreide jedoch teurer

Kartoffelpülpe: (Einsatzmengen: bis 5 kg)
Wird von vielen Betrieben mit Erfolg eingesetzt. Sie ist reich an Stärke und Energie, aber arm an Protein und enthält keine strukturwirksame Faser.

Luzernepellets:
Gibt es sowohl für Bio-Betriebe als auch für konventionelle Betriebe. Der hohe ß-Carotingehalt von Luzerne- und Grascobs führt zu einer guten Kombinationseignung mit ß-Carotin-armen Futtermitteln wie Maissilage oder Stroh. Die Kombination dieser strukturarmen Komponenten erfordert eine Berücksichtigung der Pansenphysiologie, weshalb auf eine ausreichende Strukturergänzung nicht vergessen werden darf.

4. Zwischenfrüchte

In Trockenjahren hat der Anbau von Zwischenfrüchten eine noch größere Bedeutung. Der Futtermangel verführt aber dazu, mit hohen N-Gaben (Mineral- bzw. Wirtschaftsdünger) zu versuchen, einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Auf Grund des geringen Assimilationsvermögens der Pflanzen im Sommer und Herbst, wird zwar Stickstoff aufgenommen, aber nur wenig in Eiweiß umgewandelt. Ein zu hoher Gehalt an Eiweißbausteinen (NPN) kann zu Vergiftungserscheinungen (Pansenalkalose) aufgrund zu rascher Ammoniakanflutung führen.

Bei den meist strukturarmen Zwischenfrüchten bewirkt die Zufütterung von Heu und Stroh eine Stabilisierung der Verdauung. Leguminosen, wie Erbse oder Wicke, sollten mit Gras angebaut werden, um eine erfolgreiche Silierung zu gewährleisten.

5. Getreideganzpflanzensilage (GPS)

Grundsätzlich sind alle Getreidearten (Grünschnittroggen) bei rechtzeitiger Ernte im Frühjahr zur Silierung geeignet. Empfohlener Erntezeitpunkt liegt bei etwa 50 cm Bestandshöhe. Die Untersaat von zB Kleegras im Frühjahr erhöht den Futterwert.

6. Grundfutter gezielt einsetzen

Laufstall: Eine separate Haltung der Trockensteher ist in einem Laufstall eine wichtige Voraussetzung, um die Tiergesundheit (Fruchtbarkeit, Körperkondition, Festliegen, …) zu erhalten und ermöglicht Einsparungen von wertvollen Grund- und Kraftfuttermitteln. Es können in der Trockensteherfütterung faserreichere Komponenten (Stroh, Strukturheu) auch in höheren Mengen als Silageersatz verabreicht werden. Durch gezielte KF-Ergänzung am Transponder wird den Hochleistungskühen Kraftfutter bedarfsgerecht zugeteilt.

Anbindestall: Der Barrenteiler ermöglicht eine leistungsgerechte Fütterung und gleichzeitig die Versorgung altmelkender Kühe bzw. trockenstehender Kühe mit nährstoffärmerem Futter wie zB Stroh. Es kann somit nährstoffreicheres Futter für neumelkende Kühe gespart werden. Am besten funktioniert diese Fütterung, wenn zusätzlich die Kühe nach Leistungsgruppen (neumelkend, altmelkend, trockenstehend) zusammengehängt werden.

Viele Praktiker meinen: „Es war ein Fehler, dass wir den Barrenteiler nicht schon früher eingebaut haben. Es gibt kein Futterschieben mehr und vor allem weiß man, ob und wie viel zB die frisch abgekalbte Kuh gefressen hat!“

7. Mischwageneinsatz

Die Einmischung von Stroh mit einem Mischwagen vermindert die Selektion von Futterstroh bzw. erleichtert den Einsatz von größeren Mengen an Futterstroh. Hier muss aber eine der Leistung entsprechende Versorgung mit Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen gewährleistet sein. Kühe in Hochlaktation sollten deshalb nicht mehr als 0,75 kg Stroh erhalten, wobei Altmelkende und Trockensteher deutlich höhere Mengen (zB 3 kg und mehr) erhalten können. Eine ausreichende Gesamtfutteraufnahme kann auch durch den Einsatz von schmackhaften Komponenten (Melasse, Kraftfutter) gefördert werden. Risiko der Futterselektion steigt mit höherem Strohanteil (Abhilfe mit Wasser oder Melasse)!

Vorratsmischsilage: Für Betriebe ohne eigenen Mischwagen besteht die Möglichkeit der Vorratsmischsilage. Durch überbetrieblichen Mischwageneinsatz können die Vorteile der Stroheinmischung sinnvoll genutzt werden, wobei bis zu 6 Wochen Silagen im Vorrat erstellt werden können. Vor der Erstellung einer Vorratsmischration wird die Kontaktaufnahme mit einem Fütterungsberater empfohlen.

8. Verringerung des Tierbestandes

Bei Futterknappheit ist auch an die zeitgerechte Verringerung des Tierbestandes zu denken. Dabei sollten Reduktionen vor allem in jenen Produktionsbereichen durchgeführt werden, wo die Wirtschaftlichkeit je eingesetztem Produktionsfaktor (Futter, Arbeitszeit, Stallplatz etc.) am geringsten ist. Zusätzlich muss eine spürbare Verringerung des Grundfutterbedarfes damit verbunden sein. Leistungsschwache Milchkühe bzw. Milchkühe mit zu erwartender langer Trockenstehzeit rechnen sich sehr schlecht.

9. Rindermast intensiv betreiben

Eine extensive Mast mit minderwertigem Grundfutter verlängert die Mastdauer und macht die Mast unwirtschaftlich. Deshalb soll die Mast immer intensiv betrieben werden.

Futtermangel – das Wichtigste in Kürze

a. Rasch einen groben Futterplan für die nächsten Monate erstellen.
b. Effekte von Rationsumstellungen und Tierverkäufen auf die Futterbilanz prüfen.
c. Kosten von Zukauffutter und von Kraftfuttersteigerung prüfen.
d. Vorausschauend und rasch handeln.

Hinweise zur Rationsgestaltung
* Hochwertige Grundfutter erhalten vorrangig die hochleistenden Tiere (Laktationsbeginn) sowie die Jungtiere.
* Der Pansen darf nicht überlastet werden – Struktur, Säureproduktion.
* Tiere mit geringem Nährstoffbedarf (altmelkend und trockenstehende Wiederkäuer, Jungvieh im 2. Lebensjahr) erhalten an Stelle von Heu bzw. Grassilage auch Stroh in Kombination mit Eiweißergänzung.
* Futterrationsberechnungen sind eine Voraussetzung für bedarfsgerechte Ergänzung mit Energie, Eiweiß, Struktur und Mineralstoffen.

 

Für Fragen rund um den Einsatz und die Kombination von Futtermitteln sowie die Erstellung von Rationen stehen die Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer gerne zur Verfügung.

DI Gerald Stögmüller (0664 / 60 259 23601)
Ing. Helmut Riegler-Zauner (0664 / 60 259 23604)
DI Thomas Tüchler (0664 / 60 259 23603)

 

Ing. Helmut Riegler-Zauner
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